Modellbau aus Papiermodell des Raddampfers Dresden im Test
Der Raddampfer Dresden als Papiermodell von Schreiber-Bogen ist im Fachhandel und online für etwa 16–17 € erhältlich. Der Papiebogen enthält die Teile für Kiel, Rumpf, Plattformen, Aufbauten und zahlreiche Anbauteile. Verstärkungsteile aus 1-mm-Karton sorgen für die notwendige Stabilität.
Beim Bau kann man zwischen einem Wasserlinienmodell und einem Modell mit komplettem Rumpf einschließlich rotem Unterwasserschiff wählen. Ich habe mich für die vollständige Variante entschieden und im Sommer 2026 insgesamt etwa 40–60 Stunden in den Bau investiert.

Aufbau und Schwierigkeitsgrad
Die größeren Bauteile lassen sich relativ unkompliziert ausschneiden, auf die vorgesehenen Kartonverstärkungen kleben und anschließend anhand der Nummerierung zusammensetzen. Etwas Vorsicht ist allerdings beim Ausschneiden gefragt: Werden zu viele Teile gleichzeitig herausgetrennt, können wichtige Nummerierungen und Zuordnungen verloren gehen.
Die eigentliche Herausforderung beginnt bei den kleinen und filigranen Details. Ankerkette, Reling, Halterungen, Dachträger und insbesondere die Bauteile der Schaufelräder erfordern Geduld, ein scharfes Messer und eine ruhige Hand. Nicht jeder Schnitt gelingt perfekt.
Für das Verkleben habe ich handelsüblichen weißen Papierkleber von Pritt verwendet. Ein spezieller Laser-Cut-Kleber mit feiner Dosierspitze von Faller oder Noch könnte für manche Details noch besser geeignet sein. Wichtig ist vor allem, dass der Klebstoff transparent bzw. farblos trocknet und keine sichtbaren Rückstände hinterlässt.



Benötigte Werkzeuge und Materialien
Für den Bau reicht grundsätzlich eine überschaubare Grundausstattung:
- feines Bastel- bzw. Cuttermesser
- Stahllineal
- Schneidematte
- kleine Nagelschere
- Papierkleber, Weißleim, Lasercutkleber
- feine Pinzette
- 1-mm-Karton bzw. Verstärkungskarton
- optional Laser-Cut-Kleber mit Dosiernadel
Gerade bei den filigranen Teilen zahlt sich gutes Werkzeug aus.
Kleine Änderungen gegenüber dem Bauplan
Bei einigen Details habe ich eigene Lösungen ausprobiert. Für die besonders feinen Rohre der Dachträger habe ich beispielsweise Ohrstäbchen bzw. Kunststoffstäbe verwendet, anstatt die extrem schmalen Papierstreifen des Bogens zu verbauen.
Im Nachhinein wären feine Zahnstocher oder dünne Holzstäbe wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen. Gerade die Dachstützen, Fenster, die lange Rumpflinie und die Reling prägen die charakteristische Optik des Raddampfers Dresden ganz wesentlich.
Hier zeigt sich auch eine der größten Herausforderungen beim Kartonmodellbau: Je kleiner die Details werden, desto stärker entscheidet sauberes und präzises Arbeiten über die Wirkung des fertigen Modells. Ist Papier feucht geworden durch Kleber oder Hände kann es schnell mal beim Schneiden aussreißen oder ausfranzen, daher immer Papier gut trocknen lassen.

Vorteile des Schreiber-Bogen-Papiermodells
+ günstiger Einstieg in den Kartonmodellbau und oder Schiffsmodellbau
+ sehr detaillierter Modellbaubogen
+ Wasserlinien- oder Vollrumpfmodell möglich
+ viele Bauteile und Details
+ wenig Platzbedarf
+ kein teures Spezialwerkzeug erforderlich
+ ideal für Modellbauer, die gerne sehr detailliert arbeiten
Herausforderungen
– viele sehr kleine und empfindliche Bauteile
– sauberes Ausschneiden erfordert Übung
– Nummerierungen müssen beim Ausschneiden erhalten bleiben
– Reling, Schaufelräder und Kleinteile sind teilweise anspruchsvoll
– Fehler lassen sich bei Papiermodellen nur schwer korrigieren
Mein Fazit nach 40–60 Stunden Bauzeit
Der Raddampfer Dresden von Schreiber-Bogen ist für mich ein ausgesprochen interessantes Papier- und Kartonmodell. Die großen Bauteile sind noch relativ einfach zu bewältigen, während die zahlreichen Kleinteile den eigentlichen Reiz – aber auch die Herausforderung – ausmachen.
Ich habe im Sommer 2026 rund 40 bis 60 Stunden am Modell gearbeitet und irgendwann aufgehört, die Stunden genau zu zählen. Das Ergebnis ist für mich vor allem deshalb interessant, weil man mit einem vergleichsweise günstigen Modellbaubogen ein sehr detailliertes Schiffsmodell bauen kann.
Wer sich zum ersten Mal an ein solches Modell wagt, sollte vor allem Geduld mitbringen und nicht zu schnell arbeiten. Perfektion ist gerade bei den ersten Versuchen kaum erreichbar. Einige meiner eigenen Lösungen würde ich beim nächsten Modell ebenfalls anders umsetzen.
Video-Baubericht
Eine besonders ausführliche Inspiration zum Bau des Raddampfers Dresden bietet der Baubericht „Baubericht Raddampfer Dresden“ auf YouTube:
Baubericht Raddampfer Dresden – YouTube
Auch ich habe den Bau in mehreren kurzen Videos und Shorts dokumentiert:
Mein Baubericht – YouTube Short 1
Mein Baubericht – YouTube Short 2
Mein Baubericht – YouTube Short 3
Die Videos auf meinem Kanal Ideas for You sind bewusst etwas kürzer und humorvoller gehalten. Ich wollte weniger eine perfekte Bauanleitung erstellen, sondern vielmehr zeigen, wie der Bau eines solchen Papiermodells tatsächlich abläuft – inklusive kleiner Fehler, eigener Lösungen und der einen oder anderen Improvisation.
Raddampfer „Dresden“ – ein Stück Elbschifffahrtsgeschichte als Modell
Nur selten findet man originale Bau- bzw. Konstruktionsunterlagen für den professionellen Modellbau des PD „Dresden“. Der historische Seitenraddampfer wurde 1926 auf der Schiffswerft Dresden-Laubegast gebaut und gilt bis heute als Flaggschiff der sächsischen Dampfschifffahrt. Sein Schwesterschiff „Leipzig“ wurde 1929 nach dem Vorbild der „Dresden“ gebaut.
Besonders interessant ist die Entwicklung des Schiffes im Laufe seiner Geschichte. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1946 wurde die „Dresden“ bis 1949 wiederaufgebaut und dabei unter anderem um einen Decksalon im Vorschiffsbereich erweitert. Weitere größere Umbauten und Modernisierungen folgten, unter anderem 1968 sowie zwischen 1979 und 1982.
Heute verbindet der PD „Dresden“ historischen Schiffscharme mit einem außergewöhnlichen Blick auf die Elbe. Besonders reizvoll sind die Außenplätze und die Bereiche in der Nähe der großen seitlichen Schaufelräder. Im Frühjahr sollte man dort allerdings auch bei Sonnenschein an eine warme Jacke denken – Fahrtwind und offene Decks machen sich deutlich bemerkbar.
Eine Fahrt elbaufwärts von Dresden über Blasewitz, Pillnitz, Pirna, Stadt Wehlen, Kurort Rathen und Königstein bis Bad Schandau gehört für mich zu den schönsten Möglichkeiten, die Landschaft der Sächsischen Schweiz zu erleben. Die heutige Fahrstrecke Dresden–Bad Schandau führt tatsächlich über diese Stationen.
Faszinierende Technik
Für Modellbauer und Technikbegeisterte ist die „Dresden“ besonders interessant. Das Schiff besitzt große Seiten-Schaufelräder mit einem Durchmesser von rund 3,20 Metern. Die historische Antriebstechnik und die offene Sicht auf die Dampfmaschine machen den Dampfer zu einem außergewöhnlichen technischen Erlebnis. Die heutige Sächsische Dampfschifffahrt ermöglicht sogar einen Blick auf die freigelegte historische Dampfmaschine und die Schaufelräder.
Auch die Kommunikation zwischen Maschinenraum und Steuerstand ist ein faszinierendes Detail der historischen Dampfschifffahrt. Bei älteren Elbdampfern wurden Maschinenbefehle teilweise über Sprachrohre beziehungsweise akustische Verständigung weitergegeben.
Ich selbst konnte die Fahrt 2026 erleben und war besonders von der Verbindung aus Landschaft, Nostalgie und Maschinenbau begeistert. Soljanka, Wiener Würstchen, Kaffee und Kuchen sowie Getränke an Bord machen die Fahrt zusätzlich zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Bauplan für Modellbauer
Den hier angebotenen Bauplan konnte ich glücklicherweise günstig über Kleinanzeigen erwerben. Da solche Originalunterlagen nur schwer zu bekommen sind, habe ich den Plan in einem Copyshop digitalisieren lassen und stelle ihn kostenfrei in digitalisierter Form für Modellbau-Enthusiasten zur Verfügung.
Damit kann der PD „Dresden“ als Vorlage für einen möglichst detailgetreuen Eigenbau dienen. Gerade die Kombination aus charakteristischem Rumpf, großen Schaufelrädern, Aufbauten und der interessanten Maschinenanlage macht das Schiff zu einem hervorragenden Vorbild für den anspruchsvollen Modellbau.
Wichtiger Hinweis zum Digitalisat: Durch Alter, Papierverzug und den Scanvorgang ist der Plan insbesondere im vorderen Bereich nicht vollständig symmetrisch. Beim Nachzeichnen oder Übertragen auf das Modell sollte deshalb die Symmetrie überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
Der Bauplan ist damit nicht nur eine praktische Grundlage für den Modellbau, sondern zugleich ein kleines Stück Dokumentation der faszinierenden Geschichte eines der bekanntesten sächsischen Raddampfer.








































